Commit 33dda416 authored by Jonas Heinrich's avatar Jonas Heinrich

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<div class="description">
<h2>Hans Baldung, gen. Grien (1484/85–1545) - Markgraf Christoph I. von Baden mit seiner Familie in Anbetung vor der heiligen Anna Selbdritt (um 1509/12)</h2>
<p class="subtitle">Mischtechnik auf Tannenholz, 67,5 x 218 cm, <a href="http://www.kunsthalle-karlsruhe.de" target=new>Staatliche Kunsthalle Karlsruhe</a>, Inv. 88</p>
<p class="subtitle">Mischtechnik auf Tannenholz, 67 x 218 cm, <a href="http://www.kunsthalle-karlsruhe.de" target=new>Staatliche Kunsthalle Karlsruhe</a>, Inv. Nr. 88</p>
<p>
Links der Anna-Selbdritt-Gruppe kniet zuvorderst der Markgraf, erkennbar durch sein Familienwappen,
das an prominenter Stelle auf der Seite der männlichen Familienmitglieder abgebildet ist. Hinter
dem Markgrafen, der seine Hände zum Gebet erhoben hat, drängen sich seine zehn ebenfalls betenden
Söhne, die sich anhand ihrer Attribute identifizieren lassen. Auf der rechten Bildseite ist die
Markgräfin Otilia, ebenfalls mit ihrem Familienwappen präsentiert. Im Gegensatz zu ihrem Gemahl
ist sie am weitesten vom heiligen Geschehen im Bildzentrum entfernt und schließt die Gruppe ihrer
fünf Töchter am rechten Bildrand ab.
Links der Anna-Selbdritt-Gruppe kniet zuvorderst der Markgraf, erkennbar durch sein Familienwappen, das an
prominenter Stelle auf der Seite der männlichen Familienmitglieder abgebildet ist. Hinter dem Markgrafen,
der seine Hände zum Gebet erhoben hat, drängen sich seine zehn ebenfalls betenden Söhne, die sich anhand
ihrer Attribute identifizieren lassen. Auf der rechten Bildseite ist die Markgräfin Otilia, ebenfalls mit
ihrem Familienwappen kniend präsentiert. Im Gegensatz zu ihrem Gemahl ist sie am weitesten vom heiligen
Geschehen im Bildzentrum entfernt und schließt die Gruppe ihrer fünf Töchter am rechten Bildrand ab.
</p>
<p>
Bei näherer Betrachtung der markgräflichen Nachkommen fällt die ausgeprägte Ähnlichkeit der
Dargestellten auf, die scheinbar ihrer Verwandtschaft geschuldet ist. Dennoch hat man nicht den
Eindruck, dass Baldung hier mit exakten Naturstudien gearbeitet hat. Besonders die drei Schwestern
in der ersten Reihe auf der rechten Bildseite gleichen sich fast bis ins Detail. Ganz offensichtlich
scheinen Söhne sowie Töchter dieselbe Gesichtsstudie zur Vorlage gehabt zu haben.
Bei näherer Betrachtung der markgräflichen Nachkommen fällt die ausgeprägte Ähnlichkeit der Dargestellten
auf, die scheinbar ihrer Verwandtschaft geschuldet ist. Ob Baldung die Vielzahl der Porträtierten
tatsächlich nach Naturstudien gearbeitet hat, ist fraglich. Besonders die drei Schwestern in der ersten
Reihe auf der rechten Bildseite gleichen sich fast bis ins Detail. Vielmehr scheint der Maler dieselbe
Gesichtsstudie als Vorlage verwendet zu haben.
</p>
<p>
Grundsätzlich lässt sich in Baldungs Gemälden deutlich erkennen, dass er seine Fertigkeiten im Bereich
der Federzeichnung, der Holzschnitte und dem Entwerfen von Glasfenstern erlernt hat, was sich in einer
Tendenz zur Flächenbildung niederschlägt, obwohl Baldung stets um eine plastische Gestaltung bemüht
ist. Auch in der Markgrafentafel aus unserer Reihe ist die gestalterische Tiefenwirkung nur rudimentär
gelungen. Dies ist deutlich bei den hintereinander gestaffelten, kleiner werdenden Schwestern rechts
im Bild zu erkennen. Die fast stereotype Wiederholung der Frauen, die Baldung dabei verwendet, scheint
weder ihn noch die Auftraggeber gestört zu haben.
Tendenz zur Flächenbildung niederschlägt, obwohl Baldung stets um eine plastische Gestaltung bemüht ist.
Auch in der Markgrafentafel aus unserer Reihe ist die gestalterische Tiefenwirkung nur rudimentär gelungen.
Dies ist deutlich bei den hintereinander gestaffelten, kleiner werdenden Schwestern rechts im Bild zu
erkennen. Die fast stereotype Wiederholung der Frauen, die Baldung dabei verwendet, scheint weder ihn noch
die Auftraggeber gestört zu haben.
</p>
<p>
In der Kunst tritt das Phänomen der bildimmanenten Wiederholung verschiedentlich auf, wie auch das
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während der Meister die aussagekräftigeren Teilstücke eines Werkes ausführt.
</p>
<p>
Bei Baldungs Markgrafentafel hat die Wiederholung der Gesichter einen weiteren Hintergrund: Zum
Zeitpunkt der Entstehung des Andachtsbildes waren bereits einige der Familienmitglieder verstorben.
Baldung musste somit auf repräsentative Darstellungen zurückgreifen. Das Konterfei des Markgrafen
hingegen ist sehr individuell ausgearbeitet, da Baldung bereits zuvor mindestens vier Porträts
Christophs I. (1453–1527) angefertigt hatte. Zudem diente die Tafel vermutlich weniger der
wahrheitsgetreuen Abbildung der markgräflichen Dynastie, sondern vielmehr der sinnbildlichen
Manifestierung der Frömmigkeit der Familie. Indem sich die Herrscherfamilien in die Handlung
heilsgeschichtlicher Ikonografie einbetten ließen, erhofften sie dadurch Erlösung von Sünden und
die Sicherung des eigenen, dynastischen Seelenheils. Nicht selten inszenierten sich auch die
Künstler selbst innerhalb christlicher Bildthemen, um ihre Frömmigkeit zu versichern. Dem tritt
Hans Baldung zu Beginn des 16. Jahrhunderts mit neuem Künstlerselbstbewusstsein entgegen. Er
inszeniert sich innerhalb seiner Werke nicht als historische Figur, sondern steht für sich selbst
und den neuen Künstlertypus, der sich dadurch gleichzeitig mit Stolz als Urheber eines Werkes
Bei Baldungs Markgrafentafel hat die Wiederholung der Gesichter einen weiteren Hintergrund: Zum Zeitpunkt
der Entstehung des Andachtsbildes waren bereits einige der Familienmitglieder verstorben. Baldung musste
somit auf repräsentative Darstellungen zurückgreifen. Das Konterfei des Markgrafen hingegen ist sehr
individuell ausgearbeitet, da Baldung bereits zuvor mindestens vier Porträts Christophs I. (1453–1527)
angefertigt hatte. Zudem diente die Tafel vermutlich weniger der wahrheitsgetreuen Abbildung der
markgräflichen Dynastie, sondern vielmehr der sinnbildlichen Manifestierung der Frömmigkeit der Familie.
Indem sich die Herrscherfamilien in die Handlung heilsgeschichtlicher Ikonografie einbetten ließen,
erhofften sie dadurch Erlösung von Sünden und die Sicherung des eigenen, dynastischen Seelenheils. Nicht
selten inszenierten sich auch die Künstler selbst innerhalb christlicher Bildthemen, um ihre Frömmigkeit
zu versichern. Dem tritt Hans Baldung zu Beginn des 16. Jahrhunderts mit neuem Künstlerselbstbewusstsein
entgegen. Er inszeniert sich innerhalb seiner Werke nicht als historische Figur, sondern steht für sich
selbst und den neuen Künstlertypus, der sich dadurch gleichzeitig mit Stolz als Urheber eines Werkes
präsentiert.
</p>
<p style="text-align: right;">
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<b>Weiterführende Literatur:</b>
<ul>
<li>
Pfisterer, Ulrich / von Rosen, Valeska (Hg.): Der Künstler als Kunstwerk. Selbstporträts vom
Mittelalter bis zur Gegenwart. Stuttgart 2005.
Pfisterer, Ulrich / von Rosen, Valeska (Hg.): Der Künstler als Kunstwerk. Selbstporträts
vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Stuttgart 2005.
</li>
<li>
Beer, Manuela / Rehm, Ulrich: Das kleine Andachtsbild, Graphik vom 16. zum 20. Jahrhundert.
Hildesheim 2004.
</li>
<li>
Emminghaus, Johannes: Anna Selbdritt. In: Lexikon der christlichen Ikonographie (LCI).
Band 5, S. 185–190. Freiburg im Breisgau 1994.
Emminghaus, Johannes: Anna Selbdritt. In: Lexikon der christlichen Ikonographie (LCI). Band 5,
S. 185–190. Freiburg im Breisgau 1994.
</li>
<li>
Schaller, Andrea / Steppes, Michael (Hg.) Seemanns Künstlerlexikon. Hans Baldung, S. 35,
Leipzig 2012.
Schaller, Andrea / Steppes, Michael (Hg.) Seemanns Künstlerlexikon. Hans Baldung, S. 35, Leipzig
2012.
</li>
</ul>
</p>
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